Zwischen Barock, Minimalismus und Romantik: Zu Besuch in Eichstätt
Domplatz Eichstätt

Meine Tour de Franken startet im geographischen Mittelpunkt Bayerns, genauer gesagt im 13.000-Seelen-Städtchen Eichstätt. Idyllisch gelegen inmitten des Naturparks Altmühltal, im Städtedreieck zwischen Nürnberg, Augsburg und München, erwartet mich als erste von 14 Stationen eine vom Barock geprägte Universitätsstadt.

Eichstätt

Versteckte Ecken in Eichstätt

Sehr romantisch geht es an einem noch wenig bekannten Ort in Eichstätt zu: Am Kappelbuck. Hier liegt auf einer kleinen Anhöhe die sogenannte Wasserkapelle (die ehemalige Zunftkapelle der Tuchmacher und Färber) und es entspringt der Kappelbach. Im kleinen Weiher tummeln sich zahlreiche Regenbogenforellen, die traditionell am Gründonnerstag abgefischt werden, um sie dann am Karfreitag zu genießen.

Eichstätt Kappelbuck

Den Kappelbuck zieren frisch renovierte Jura-Handwerkshäuser, das Mühlrad plätschert leise vor sich hin. Eine Birke wächst inmitten dieses idyllischen Fleckchens – im Sommer ideal, um sich die Füße im 8 Grad kalten Bachwasser abzukühlen.

Eichstätt Kappelbuck

Nur wenige 100 Meter stadteinwärts befindet sich ein weiterer geheimnisvoller Ort von Eichstätt: Die Abtei St. Walburg. Das Schwesternhaus der Benediktinerinnen liegt direkt neben dem Kloster St. Walburg und der Gruftanlage, in der die Heilige Walburga bestattet liegt. Der Überlieferung nach kommt es jährlich zwischen Oktober und Februar zum sogenannten “Ölfluß”, wenn das Wasser des Kappelbuck über die Gebeine der heiligen Walburga fließt. Das “Öl” wird von den Schwestern aufgefangen und mit Weihwasser gestreckt. Vor allem bei Augenkrankheiten und Geburten soll die Essenz ihre heilende Wirkung entfalten, weshalb heute noch zahlreiche Gläubige dorthin pilgern.

Abtei St. Walburg Eichstätt

Noch heute leben hier ca. 45 Benediktinerinnen nach minimalistischer Klosterlehre. Wer dieser etwas näher kommen möchte, hat sogar die Möglichkeit im klösterlichen Umfeld zu übernachten, unter dem Motto “Zu Gast im Denkmal“. Zwei Marienhäuser wurden von den Schwestern liebevoll renoviert und die historische Bausubstanz mit moderner Architektur verbunden.

Moderne Architektur trifft auf barocke Bausubstanz

In ganz Eichstätt ist die Verbindung zwischen moderner Architektur und historischer Bauweise, hauptsächlich aus der Barockzeit, augenscheinlich. Der Dom sowie der Domplatz sind mit eindrucksvollen Gebäuden aus dem Barock umsäumt. Auch die Residenz (heute Landratsamt der Stadt) sowie der Marktplatz mit dem Willibaldsbrunnen erscheinen noch heute prunkvoll und sind dabei in sanften Pastelltönen herausgeputzt.

Marktplatz Eichstätt

Und dazwischen überall moderne Architektur, wie die Universitätsbibliothek, entworfen von Günter Benisch (ebenso Architekt des Olympiastadions in München). Oder das Kloster Rebdorf, das mittlerweile in seinem Erweiterungsbau eine Knaben-Realschule beheimatet.

Universität Eichstätt

Kloster Rebdorf

Feste feiern in historischem Ambiente

Und auch wenn die Eichstätter als katholische Gemeinde der modernen Architektur nicht immer nur positiv gegenüberstehen, eines verbindet sie stets miteinander: Die Freude am Feiern verschiedenster Feste, vor allem in den Sommermonaten. Das Altstadtfest beispielsweise ist gemacht von Bürgern für Bürger. Am ersten Juli-Wochenende steht die Stadt förmlich Kopf. Jung und Alt feiern gemeinsam an diversen Orten der Stadt. Sowohl musikalisch als auch thematisch sind alle Vereine der Stadt involviert. Vom Anglerverein über den Sportverband bis zum Verein Alte Musik Eichstätt. Musik und Kultur werden in Eichstätt groß geschrieben und besonders sichtbar wird das während des Musikfestes Mitte Mai. Dieses wurde von einer geborenen Eichstätterin initiiert, die sich der “Alten Musik” verschrieben hat. Und so lebt es vor allem von den besonderen Schauplätzen, die zur jeweiligen Epoche erbaut wurden. Zum Beispiel finden Konzerte im International House (der ehemaligen Stadtpfarrkirche), dem Holzersaal der fürstbischöflichen Sommerresidenz, der ehemaligen Klosterkirche Notre Dame de Sacre Coeur oder im Spiegelsaal der Residenz statt.

Spiegelsaal der Residenz Eichstätt

Kulinarisches Eichstätt

Auch gastronomisch hat Eichstätt einiges zu bieten. Als Spezialität gilt das zarte Altmühltaler Lamm, dessen ausgezeichneter Geschmack den Wacholderheiden zu verdanken ist, auf denen die Schafe im Sommer weiden. Die meisten Gaststätten legen viel Wert auf Regionalität, angefangen bei der Forelle aus dem Altmühltal oder dem Schrobenhausener Spargel. Gut bürgerlich und trotzdem anspruchsvoll isst man im Braugasthof Trompete.

Altmühlthaler Forelle

Wer es etwas gehobener mag, dem sei der Domherrnhof direkt am Domplatz ans Herz gelegt. Hervorragender Service in charmantem Ambiente erwartet die Besucher des Hauses, das 2013 mit einem Gault Millau Stern ausgezeichnet wurde und 2017 im Feinschmecker gelistet ist. Doch nicht nur das Essen ist ausgezeichnet. Hier speist man so, wie früher die Domherren residierten.

Domherrnhof Eichstätt

Domherrnhof Eichstätt

Und was gibt es sonst noch zu entdecken in und rund um Eichstätt?

Besonders schöne Ausblicke auf die Stadt hat man von der Marienkapelle auf dem Frauenberg oder der Willibaldsburg, die sich beide auf einem Spaziergang gut miteinander kombinieren lassen. Die Willibaldsburg thront auf einer Bergzunge über Eichstätt und ist nicht nur von außen sehenswert. Der schmuck angelegte Bastionsgarten ist das letzte Überbleibsel aus dem 30-jährigen Krieg und neben einem Ort zum Verweilen auch Informationsgarten über die Pflanzenwelt des Hortus Eystettensis (Eichstätter Garten). Geschichts- und Geologie-Interessierte können sich im Jura-Museum über Naturkunde und regionale Fossillienfunde informieren, Stichwort Archaeopteryx.

Willibaldsburg Eichstätt

Willibaldsburg Eichstätt

Einen wunderbar freien Blick auf die Willibaldsburg und die Stadt könnt ihr vom Hotel Schönblick aus bzw. auf dem Weg dorthin genießen.

Willibaldsburg Eichstätt

Ebenfalls einen Besuch wert ist das Figurenfeld etwas außerhalb von Eichstätt. Die 78 meist überlebensgroßen, gegossenen Figuren des Bildhauers und Malers Alios Wünsche-Mitterecker sind ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt.

Figurenfeld Eichstätt

Je nach Verweildauer lässt sich der Besuch der Barockstadt noch abrunden mit einer Wander- oder Radtour auf den dafür ausgeschriebenen Wegen durch das malerische Altmühltal. Wer neugierig geworden ist, sollte einen Blick in die Fotogalerie nicht verpassen.


Dieser Artikel ist im Rahmen der Kampagne “Die Fränkischen Städte” in Kooperation mit dem Tourismusverband Franken entstanden. Insgesamt 14 Städte habe ich im Sommer 2017 bereist und dabei die schönsten Sommer Events der Region erlebt, natürlich immer mit Blick auf die Stadt selbst und ihre Besonderheiten.

Hier geht´s zu den Artikeln von:

Ansbach – Rokoko, Skulpturen & Ansbach Open

Aschaffenburg – afrikanisch-karibische Rhythmen, mediterrane Parks & hessisches Bebabbel

Bamberg – Mediterranes Flair in der Stadt auf sieben Hügeln

Bayreuth – Wagner, Wilhelmine, Weizen, Wurst & Wunderbares

Coburger Designtage & “CO”: Im Schmelztiegel von Design und Kultur

Dinkelsbühl – Heimatliebe, bunte Fassaden & #BasicGermanWords

Eichstätt – Zwischen Barock, Minimalismus und Romantik

Erlangen – Von Frankreich bis zum Nordseestrand: Wie ein Besuch in Erlangen zum Kurzurlaub wird

Fürth(er) – Kleeblatt, Kärwa & Kultur

Kulmbach – Gelebte Biergeschichte & fränkische Tapas

Nürnberg – Stadtoasen & meine Lieblingsplätze in St. Johannis

Rothenburg ob der Tauber – Fränkische Romatik, anyone!? Auf asiatischen Spuren durch Rothenburg

Schweinfurt – folgt in Kürze

Würzburg – folgt in Kürze

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2 Kommentare
  1. Liebe Stefanie 🙂
    Kompliment für deinen schönen Beitrag! Ich komme selbst ganz aus der Nähe von Eichstätt und blogge über das Altmühltal. Mir gefällt es total, wie du Eichstätt mit deinen Fotos “von einem ganz anderen Blickwinkel” zeigst 🙂 Als Einheimischer nimmt man manche Orte gar nicht so wahr wie jemand, der sie das erste Mal sieht – deshalb: Daumen hoch und weiter so 😀
    Viele Grüße,
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin,
      vielen Dank für das Kompliment! Es freut mich, dass Dir meine Perspektive auf Eichstätt gefällt!
      Mit dem Blickwinkel als Einheimischer hast Du völlig recht! In Eichstätt war ich vorher noch nie. Ich bin selbst gespannt, welcher neuer Blickwinkel sich mir in Städten eröffnet, die ich eigentlich schon kenne. 🙂
      Viele Grüße,
      Stefanie

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