Great, Greater, Great Wall of China - Von Mutianyu zur Wild Wall

“Derjenige, der nicht die Große Mauer erklommen hat, ist kein wahrer Mann”, sagte einst Mao Zedong. Also worauf noch warten? Wer durch China reist, oder vielmehr noch, wer in China lebt, darf sich dieses Wunderwerk menschlicher Baukunst einfach nicht entgehen lassen!

Great Wall of China

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich assoziiere mit der Chinesischen Mauer immer eine Sehenswürdigkeit von Peking und habe Bilder wie diese im Kopf, auf denen sich die Große Mauer wie ein Drache über die Gebirgskämme nördlich der Hauptstadt schlängelt. Doch wusstet ihr, dass die Chinesische Mauer, die übrigens zu den 7 Weltwundern der Neuzeit zählt, sich auf insgesamt 21.196,18 km durch weite Teile Nordchinas zieht? Kaum vorstellbar diese Zahl, oder? Doch man muss auch wissen, dass die Chinesische Mauer kein zusammenhängendes Konstrukt ist, sondern über verschiedenste Dynastien hinweg in unterschiedlichen Landesteilen errichtet wurde, um das Chinesische Kaiserreich vor nomadischen Reitervölkern aus dem Norden zu schützen. Eine Grenzbefestigung also, die jegliche Vorstellungskraft sprengt und deshalb ganz klar auf der Liste jeder China-Reise stehen muss.

Great Wall of China

Doch wo genau sollte man sich die Große Mauer nun anschauen, wenn es so viele Möglichkeiten gibt? Wo ist dieses Welterbe am einfachsten zugänglich, wo genießt man die besten Ausblicke und wie könnt ihr die großen Reisegruppen umgehen? Das und noch viel mehr verrate ich euch in diesem BlogPost:

Wann, Wo & Wie die Chinesische Mauer besuchen?

Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten die Chinesische Mauer zu besuchen. Als (Halb)-Tagesausflug lässt sich diese Top-Sight ganz leicht in einen Peking-Besuch einbauen. Am einfachsten zugänglich ist dafür das Stück rund um Badaling (70 km nordwestlich von Peking), das sogar mit dem Zug erreicht werden kann. Somit zieht Badaling aber auch viele Tagestouristen an, die die Große Mauer auf ihrer Reise einfach abhaken wollen. Ebenfalls sehr beliebt ist die Gegend rund um Mutianyu, ca. 70 km nördlich von Peking. Dieser ´renovierte´ Abschnitt der Chinesischen Mauer ist gut erschlossen, mit einer Seilbahn sowie einer Rodelbahn ausgestattet und deshalb vor allem bei Familien sehr beliebt.

Great Wall of China Mutianyu

Und dann gibt es natürlich noch Abschnitte der so genannten “Wild Wall”, die entsprechend weniger restauriert sind, zum großen Teil weiter entfernt von Peking liegen und somit auch nicht ganz so bequem zu erreichen sind – dafür einige anspruchsvollere Routen bieten. Entsprechend weniger Touristen, dafür “echte Mauerwanderer” trifft man also in den Gegenden um Gubeikou (130 km von Peking) oder Jiankou (100 km von Peking).

Ihr habt also die Qual der Wahl und solltet euren Abschnitt je nachdem auswählen, wie viel Zeit ihr habt, ob ihr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen oder euch einen Fahrer nehmen möchtet. Auch die weiter von Peking entfernten Abschnitte lassen sich teils mit Bussen erreichen, jedoch nimmt die Anreise durch Umsteigen mehr Zeit in Anspruch und ihr seid nicht so flexibel.

Great Wall of China Mutianyu

Eine der schönsten Zeiten die Chinesische Mauer zu besuchen sind die Frühlingsmonate, wenn es zum einen noch nicht zu heiß, zum anderen die Landschaft aber schon saftig grün ist.

Unsere Route auf der Chinesischen Mauer: von Mutianyu nach Jiankou

Wir haben uns für eine Kombination aus dem restaurierten, nicht allzu weit entfernten Teil von Mutianyou in Kombination mit einer Wanderung nach Jiankou entschieden. Denn wir wollen unbedingt ein paar ursprünglichere Abschnitte der Mauer erkunden, ohne jedoch allzu weit in den Norden reisen zu müssen. Um sowohl zeitlich als auch bei der Wahl unserer Route flexibel zu sein, haben wir uns ein Auto mit Fahrer gemietet.

Great Wall of China

Die Chinesische Mauer: Mutianyu

Wir brechen in Peking bereits um 5 Uhr morgens auf, um vor den großen Reisegruppen in Mutianyu anzukommen und das beliebte und gut restaurierte Stück unberührt und ohne Menschenmassen genießen zu können. Unser Plan scheint aufzugehen, obwohl wir am verlängerten Wochendende des 1. Mai unterwegs sind: Wir erreichen Mutianyu sogar noch bevor der Ticketcounter geöffnet hat und die umliegenden Shops Snacks und Souveniers verkaufen. Wir sitzen in der zweiten Gondel des noch sehr frühen Tages, die uns innerhalb weniger Minuten auf die Bergkuppe bringt und genießen tatsächlich dabei einen freien Blick auf die Chinesische Mauer.

Great Wall of China

Wir sind beeindruckt von der Weite und können kaum glauben solche atemberaubenden Blicke zu erhaschen. Kilometerlang schlängelt sich der Drache (Spitzname der Großen Mauer) über saftig grüne Hügel, deren Kuppen von Wachtürmen gespickt sind.

Great Wall of China

Mittlerweile ist es nach 9 Uhr und so langsam kommen mehr und mehr Besucher nach oben. Zeit für uns aufzubrechen Richtung Westen.

Great Wall of China Great Wall of China

Vor uns liegt ein ziemlich steiler Abschnitt. Ich bin mir recht sicher, dass einige der Ausflügler diesen Anstieg noch auf sich nehmen, um von dort oben den Ausblick zu genießen, sich danach aber die Spreu vom Weizen trennt.

Great Wall of China Great Wall of China Great Wall of China

The Wild Wall: Der ursprüngliche Teil der Chinesischen Mauer

Doch unser Ziel liegt noch weiter westlich. Und je weiter wir Richtung Jiankou laufen, desto ursprünglicher werden die Mauerabschnitte, bis wir schließlich den angeblich höchsten Punkt dieser Strecke erreichen.

Great Wall of China - Wild Wall Great Wall of China - Wild Wall Vor uns liegt schließlich das sogenannte “Ox Horn“, eine 180-Grad Schlaufe, die sich steil über den Bergkamm schiebt. Der Trampelpfad allerdings führt uns hier wegwärts von der Mauer. Wir folgen dem Pfad durch´s Gebüsch, ohne zu ahnen, dass wir dadurch den Auf- und Abstieg über das Ox Horn umgehen und somit einiges an Zeit und Kräften sparen. Ab hier wird es dann richtig ursprünglich und wir befinden uns nun endlich auf der “Wild Wall”.

Great Wall of China - Wild Wall Great Wall of China - Wild Wall Great Wall of China - Wild Wall

Schließlich erreichen wir einen weiteren Wachturm, auf dem uns der Atem stockt: Vor uns liegt die Chinesische Mauer, wie ich sie mir zwar irgendwie immer vorgestellt habe – aber trotzdem nie geglaubt hätte sie einmal so mit eigenen Augen zu sehen. Hier ist es nun Zeit den Ausblick zu genießen.

Great Wall of China - Jiankou Great Wall of China - Jiankou Great Wall of China - Jiankou

Wir treffen einige Wanderer, die die Mauer in entgegengesetzter Richtung, von Jiankou aus, erklommen haben und sich nun auf dem Weg Richtung Mutianyu befinden – so wie uns die Route auch in verschiedenen Artikeln immer wieder beschrieben wurde…

Great Wall of China - Jiankou

Für uns heißt es hier nun allerdings den Abstieg wagen. Auch wenn sich auf den ersten Blick kein offensichtlicher Weg nach unten aufdrängt, muss es hier eine Abstiegsmöglichkeit geben, die uns in das Dorf bringt, in dem der Fahrer auf uns wartet. Wir fragen einige Wanderer, aber aufgrund von Verständigungsproblemen, lässt sich keine klare Richtung ausmachen und so folgen wir mangels Beschilderung der kleinen roten Flagge, die als Erkennungsmerkmal die einzige Möglichkeit darstellt von exponierter Stelle wieder nach unten ins Tal zu gelangen.

Great Wall of China - Jiankou

Jiankou: Abstieg von der Chinesischen Mauer

Bisher ist unsere Route gut aufgegangen. Bis zum frühen Nachmittag wollten wir unsere Wanderung beendet haben, um noch vor der Rush Hour wieder zurück in Peking zu sein und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Doch in Bezug auf ein Merkmal, das sich auf so gut wie allen unseren Wanderungen “etabliert” hat, die wir bis dato ohne Guide unternommen haben, sollte auch die Chinesischen Mauer keine Ausnahme bilden: Früher oder später biegen wir ein entscheidendes Mal falsch ab…

Great Wall of China

Die kleine rote Fahne weist den Abstieg über eine wackelige Holzleiter mit 5 Stufen, für deren Benutzung wir auch noch 5 RMB zahlen müssen. Nur um uns damit auf den steilsten Abstieg zu begeben, den wir bisher jemals auf uns genommen haben – den Kilimanjaro, Mt. Fuji oder Gunung Rinjani eingeschlossen. Anfangs kommen uns noch einzelne Wanderer entgegen. Wir schöpfen also keinerlei Verdacht, dass wir eventuell auf der falschen Fährte sein könnten. Doch je tiefer wir kommen, desto steiler werden die Abschnitte und von einem Weg kann schon lange keine Rede mehr sein. Kraxelnd schaffen wir es irgendwie unten anzukommen – nur um letztendlich festzustellen, dass wir definitiv keinen offiziellen bzw. “öffentlich zugänglichen Weg” gewählt haben. Zu allem Überfluss sind wir auch noch auf der falschen Seite der Mauer abgestiegen, was bedeutet, dass der Fahrer nicht hier, sondern auf der gegenüberliegenden Bergseite auf uns wartet, zu der er extra 1,5 Stunden gefahren ist.

Aus der frühen Ankunft in Peking wird also nichts. Durch die Zeitverzögerung landen wir mitten in der Hauptverkehrszeit, und unser Ausflug zur Chinesischen Mauer wird zu einem 18 Stunden Trip. Dennoch hat es sich gelohnt diesen ursprünglichen Teil zu erklimmen. Die Aussichten waren grandios und ein bisschen Abenteuer gehört einfach mit dazu, oder etwa nicht? Und nun wissen wir auch, warum alle Tourenbeschreibungen die umgekehrte Richtung weisen: So ist die Chance sich zu verlaufen einfach um einiges geringer. Denn in Mutianyu gibt es schließlich eine kaum zu übersehende Seil- und Rodelbahn. 🙂


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FRAGEN & KOMMENTARE? 

Seid ihr schon durch China gereist und habt die Chinesische Mauer oder andere Weltwunder der Neuzeit besucht? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und welche Routen-Tipps habt ihr? Hat euch der Artikel gefallen, oder sind noch Fragen offen? Lasst mir gerne einen Kommentar da und teilt den Artikel mit euren Freunden!
In der Kategorie China findet ihr übrigens noch weitere Artikel aus dem Land der aufgehenden Sonne.

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5 Kommentare
  1. Schöne Beschreibung! Ein kleines Grinsen kann ich mir bei dem Wort “ursprünglich” nicht verkneifen. Ursprünglich wurde die Große Mauer sehr gut gebaut und sah eher so aus wie die heute restaurierten Teile. Statt “ursprünglich” könnte man den Begriff “Wilde Mauer” benutzen.
    Ich persönlich kenne Badaling, Mutianyu und den Abschnitt Huanghuacheng. Letzterer ist mein Lieblingsabschnitt, teilweise renoviert in toller Landschaft. Ca. 70km nordöstlich von Peking, aber bislang noch nicht überlaufen, weil nicht so bekannt wie die anderen.
    LG
    Ulrike

    1. Liebe Ulrike,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und den Tipp mit Huanghuacheng!
      Wir konnten uns für unseren ersten Besuch der Chinesischen Mauer gar nicht entscheiden, welchen Abschnitt wir wählen sollten und waren schließlich von Mutianyu und vor allem der “Wild Wall” um Jiankou sehr begeistert. Da wir in China wohnen, war dies mit Sicherheit nicht unser letzter Besuch der Great Wall und Huanghuacheng klingt auf jeden Fall vielversprechend!

      Viele Grüße aus Shanghai!
      Stefanie

  2. Wow!

    Das ist ja auch ein richtig interessanter Teil der Mauer! Falls ich nochmal die Chance auf China habe, werde ich ihn austesten! Aber rückwärts 😉
    Wir haben auch einen sehr wilden Teil in Huanghuacheng entdeckt und teilen die selben Emotionen über die Mauer! 😀
    Kann ich dich auch noch mal anstecken auf die Mauer zu klettern? 😉

    Liebe Grüße
    Carmen (travivas.de)

    1. Aber klar!
      Die Abschnitte der Chinesischen Mauer sind ja so lang und über so viele Landesteile im Norden Chinas verstreut. Ich wäre auf jeden Fall dabei, noch weitere Teile, vor allem der “Wild Wall” zu entdecken.
      Huanghuacheng klingt auf jeden Fall auch sehr vielversprechend!

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