Wandern am Pazifischen Feuerring: Mount Rinjani, Lombok
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I am Stefanie, my passion is my passport and travelling makes me smile since I have started exploring the world on my own back in 2007. Since then I have visited almost 40 countries and counting. As a travel enthusiast with a big love for writing and photography, my mission is to share my experiences, individual travel tips and personal insights combined with eye-catching pictures on my Blog and Instagram (German & English). Born in Thuringia,(Germany), I have lived in Würzburg, Cape Town, Frankfurt and Nuremberg. Now Shanghai (China) has become my new travel hub since the beginning of 2018. Just click to find out more about my person, the blog and my references.

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Es ist ca. 7 Uhr abends als die Dunkelheit über Lombok herein bricht. Es ist kalt am Kraterrand des Mount Rinjani auf 2.639 Metern Höhe und dicke Regentropfen platschen auf unser Zelt. Mit heißer Hühnersuppe im Bauch und dem Geräusch des Regens im Ohr schlafen wir erschöpft ein und sind uns einig: Sollte es um 3 Uhr beim Aufbruch zum Gipfel des Mount Rinjani immer noch regnen, setzen wir keinen Fuß vor die Zelttür.

Doch nach ein paar Stunden Schlaf scheint es als hätte sich die Welt einmal um die Achse gedreht: Über uns eröffnet sich die endlose Weite des Sternenzeltes. Kein Regen mehr, keine Wolke weit und breit. Also marschieren wir los: Mit unserer Stirnlampe auf dem Kopf, Mütze, Handschuhen und Wanderstöcken bewaffnet ist das Kilimandscharo-Déjà-vu perfekt! Wir verlassen das Camp und und es geht direkt steil bergauf. Unser Guide André erklärt uns, dass wir nun für ca. 1,5 Stunden erstmal den “hard part” überstehen müssen, danach folgt der “relaxing part”, bevor es kurz vor dem Gipfel noch einmal richtig anstrengend wird. Und er hat nicht zu viel versprochen: Im Zick-Zack arbeiten wir uns Schritt für Schritt den steilen Pfad weiter nach oben – Höhenmeter für Höhenmeter. Vor uns in weiter Ferne blinken die Stirnlampen der anderen Bergsteiger. Außer ihnen und den Sternen am Himmel sehen wir nichts. Aber wieder einmal ist es wahrscheinlich das Beste, nicht zu sehen, wo wir hin laufen und wie weit unser Ziel noch von uns entfernt ist.

Nach ungefähr 2 Stunden steil bergauf werden wir durch Gesänge aufgemuntert. Die einheimischen Gipfelstürmer haben es nicht so eilig, erklärt uns André. Sie machen Pause, warten hier bereits auf den Sonnenaufgang und wandern danach bei Tagesanbruch weiter. Doch dass wir uns zu den Sängern setzen, kommt für André nicht in Frage. Er will uns auf dem Gipfel sehen, auch wenn es Mittag wird… Außerdem komme ab hier der “relaxing part”, sagt er. Und so ist es auch. Nach dem ersten richtig steilen Anstieg befinden wir uns nun auf dem Kamm des Rinjani, der stetig Richtung Gipfel führt.

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Doch ohne den Schutz von großen Felsen sind wir der klirrenden Kälte und dem pfeifenden Wind ausgesetzt. All zu relaxing ist es also doch nicht. Nach ungefähr einer weiteren Stunde Fußmarsch finden wir hinter einem Felsvorsprung Unterschlupf. Der Himmel färbt sich langsam heller. Es scheint nun zwischen 5 und 6 Uhr zu sein und der Sonnenaufgang nicht mehr fern. Wir beschließen geschützt vor der beißenden Kälte hier  Rast zu machen. Und so harren wir aus mit Blick auf den Kratersee des Mount Rinjani, der langsam aus dem nächtlichen Schlaf erwacht.

Rinjani GOPRO

Und plötzlich ist sie da, die Sonne, die langsam die Rückseite des Feuerberges erhellt und den Kratersee Stück für Stück in ein goldgelbes Licht taucht.

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Und mit jeder Minute erleuchtet der Mount Rinjani mehr in saftigen Grün- und kräftigen Braun-Tönen, der Kratersee schimmert azurblau und unser Blick reicht über die vor Lombok gelagerten Gili-Inseln bis nach Bali, wo sich der Vulkan Batur in den Himmel reckt.

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Und plötzlich ist es wieder da, das unglaubliche Gefühl, es bis hier her geschafft zu haben. Und so stehen wir hier oben, auf knapp 4.000 Höhenmetern auf einem aktiven Vulkan inmitten des Pazifischen Feuerrings. Die Welt scheint so groß und wir so klein.

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Wir genießen, wie die warmen Sonnenstrahlen unsere Gesichter streicheln. Hinter uns liegt ein langer, steiler Weg. Unser Camp ist so weit von uns entfernt. Ganz klein reihen sich die bunten Zelte auf dem Kamm des Kraterrandes entlang.

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Ganz klein wirken auch die Bergsteiger, die sich nun auf der Zielgeraden zum 3.726 Meter hohen  Gipfel des Mount Rinjani befinden. Immernoch kämpfen die tapferen Gipfelstürmer, obwohl sie mindestens 2 Stunden vor uns, also ca. 1 Uhr nachts, aufgebrochen sein müssen.

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André rückt nun langsam mit der ganzen Wahrheit heraus: Die Leute, die wie kleine Stecknadeln aussehen, befinden sich gerade auf dem letzten und wirklich harten Stück: Nur 350 Höhenmeter sind wir noch vom Gipfel entfernt. Doch der Aufstieg wird noch einmal mindestens 1,5 Stunden dauern, so André. So steil ist das letzte Stück und dazu kommt, dass die letzten hundert Höhenmeter nur aus Lavasand bestehen. Jedem hart erkämpften Schritt nach oben folgen gefühlt drei Schritte rückwärts, die man im Lavasand zurück rutscht. Deshalb dauert es so lange.

Aus den anfangs geplanten drei Stunden Aufstieg vom Kraterrand zum Gipfel des Rinjani könnten nun also doch sechs werden, so viele wie wir letztes Jahr für den Gipfelsturm am Kilimandscharo gebraucht haben. Schnell wird uns klar, dass an dieser Stelle für uns Schluss ist. Wir sind bereits so weit oben, dass wir zwar keinen 360-Grad Panorama-Blick, aber mindestens einen 300-Grad-Blick über den Feuerberg von Lombok haben. Unter uns liegt der Kratersee Segara Anak und der 1994 darin entstandene 300 Meter hohe Vulkankegel Mount Barujari.

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Unser Blick reicht über Lombok hinaus über die drei Gili-Inselns bis nach Bali. Und an dieser Stelle wollen wir uns zufrieden geben und das Glück nicht weiter heraus fordern. Wir sind zufrieden damit, dass wir es zusammen bis hier her geschafft haben und die Macht der Natur mit eigenen Augen bewundern können.

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Schließlich warten noch ein paar mehr Abenteuer auf unserer Indonesien-Rundreise auf uns, für die wir fit sein wollen. Also treten wir langsam den Rückweg an und genießen auf dem Weg nach unten die fabelhafte Aussicht und die um uns liegende Natur, die nun mehr und mehr im Sonnenlicht zum Leben erwacht. Wir sind fast allein auf der Strecke und außer ein paar Affen kommt uns nichts in den Weg.

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Wieder im Camp angekommen genießen wir bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen unser Frühstück.

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Mit dem Abstieg in den Krater, der Wanderung zu den heißen Quellen und dem Übernachten am gegenüberliegenden Kraterrand wird es leider nichts. Denn das ist noch einmal eine komplette Tagestour, die laut André auch nicht zu unterschätzen ist. Da wir nicht ganz allein in unserer Gruppe sind und noch auf unseren chinesischen Reisebegleiter  (er hat den Aufstieg bis zum Gipfel gewagt), warten, ist es einfach zu spät, um los zu laufen und das auf der gegenüberliegenden Seite des Kraterrandes liegende Senaru Crater Camp noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Dazu kommt, dass mir inzwischen unser Zeitplan etwas utopisch vorkommt: Wie bitte sollen wir es schaffen nach einer weiteren harten Tagesetappe am Folgetag in 5 Stunden von 2.641 Höhenmetern (Senaru Kraterrand) auf 600 Höhenmeter in das Dorf Senaru zu wandern? Ich weiß es nicht und kann mich deshalb mit dem Gedanken anfreunden über Mittag am Sembalun Kraterrand zu bleiben und dann den Rückweg anzutreten, um auf 1.300 Höhenmetern unser Nachtlager aufzuschlagen.

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Gesagt, getan. Und so erreichen wir nach insgesamt 2,5 Tagen, 2 Nächten und knapp 6.000 überwundenen Höhenmetern wieder den Ort, in dem alles begann: Das Dorf Sembalun. Ob wir die Fähre nach Bali geschafft haben, erfahrt ihr bald an gewohnter Stelle.

 

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