Kilimandscharo-Besteigung: Durch Mordor zum Lava Tower

Der Wettergott hat uns über Nacht verschont, der Nebel hat sich etwas verzogen und Teile des schneebedeckten Kilimandscharo scheinen durch die Wolken. Es ist der 17. Februar, mein Geburtstag, und zum ersten Mal sehen wir den Gipfel des Kilimandscharo majestätisch über uns thronen.

Kilimanjaro is showing his face

Zum Start in den Tag bekomme ich ein selbst gepflücktes Kräutersträußchen, dass mir einer der Träger zusteckt, und zwei kleine Geburtstags-Muffins mit Kerzen in Form einer “2” und einer “8”, die Jan extra mitgebracht hat. Anschließend versammeln sich Ernest, Denic, Wolfgang, Geoffrey und alle Träger an unserem kleinen Frühstückstisch, um mir “Happy Birthday” zu singen. Ein unverhofft guter Start in den Tag!

Celebrating my birthday at Shira Camp

Doch schnell haben sich wieder Nebelschleier über die Gipfel des Kili gelegt während wir unsere Sachen packen. Wir verlassen das Shira Camp gegen 9.45 Uhr – erneut als letzte Gruppe.

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Das Barranco Camp, unser heutiges Tagesziel liegt auf 3.940 Metern Höhe – an sich also nur 100 Höhenmeter über dem Shira Camp. Tagsüber werden wir allerdings bis auf 4.600 Meter bis zum Lava Tower aufsteigen, um uns weiter zu akklimatisieren. 4.600 Meter, das ist auch die Höhe des Barafu Camps, von dem aus wir am Ende den Aufstieg auf den Gipfel starten werden. Insgesamt sieben Stunden soll es heute dauern bis wir die zwölf Kilometer bergauf und wieder bergab bis zum Barranco Camp überwunden haben werden.

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Der Weg bergauf ist heute nicht so steil wie gestern und es bleibt zunächst trocken. Die Landschaft verändert sich von alpinem Moorland in alpine Wüste. Weit und breit sind keine Pflanzen mehr zu sehen. Nur netzähnliche Moose hängen von den Felsen, die unseren Weg säumen. Heute allerdings tragen sie eine organge-gelbe Farbe, nicht hellgrün wie am Tag zuvor. Immer weiter geht es bergauf. An den vor uns laufenden Wanderern erkennen wir wohin uns der Weg führen wird. Die karge Landschaft und die karawanenähnliche Gehweise der anderen Gruppen erinnert uns mehr und mehr an Frodo & Sams Abenteuer durch Mordor in “Herr der Ringe”.

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Der weitere Aufstieg in Richtung unseres “Schicksalsberges” geht nicht so steil, sondern eher stetig bergauf durch die Felsenlandschaft. Wir machen kurze Pausen und halten uns an das Gebot Nummer 1 am Berg “Pole Pole”.

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Doch unterwegs begegnen wir auch Bergsteigern, die mit der zunehmenden Höhe und ihren Auswirkungen zu kämpfen haben: Zum Beispiel zwei Amerikanerinnen zwischen Hochmut und Verzweiflung. Die Dunkelhaarige der beiden klagt über Kopfweh und Schwindel und spielt mit dem Gedanken ihr komplettes Geld an die Guides und Träger zu geben, wenn die es schaffen sollten sie auf den Gipfel zu bringen. Die Hellhaarige dagegen ist frohen Mutes, dass die Welt morgen schon wieder ganz anders aussehen wird, wenn der Lava Tower erst einmal überwunden ist. Eine andere Wandererin scheint nur noch ihren entkräfteten Körper ins nächste Camp schleppen zu wollen. Auf ihre Wanderstöcke gestützt bewegt sie sich im Zeitlupentempo vorwärts, stets in der Begleitung ihres Guides, der bereits sämtliches Gepäck für sie übernommen hat.

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Nach ca. vier / fünf Stunden erreichen wir den Lava Tower, der sich immer wieder in dichtem Nebel versteckt. Würden wir auf die Spitze des Lava Tower steigen, wären wir exakt auf 4.600 Metern Höhe. Wir befinden uns auf ca. 4.400 Metern, was aber auch erst einmal ausreicht. So hoch waren wir in unserem ganzen Leben noch nie. Trotz dichtem Nebel und karger grauer Landschaft um uns herum ist es Zeit für die Mittagspause. Einige andere Gruppen sind auch hier, um Rast zu machen. Danach führt der Weg noch ca. eine Stunde steil bergab. Davon ahnen wir im Moment aber noch nichts. Einige Wanderer klagen über starke, stechende Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Wir sind nun also auf einer Höhe, auf der sich die Symptome der Höhenunverträglichkeit mehr und mehr bemerkbar machen. Auch Jan hat leichte Kopfschmerzen. Im Vergleich zu manch anderem Leidensgenossen aber geht es uns durchaus gut.

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Da das Wetter nicht zu einem ausgedehnten Picknick einlädt, brechen wir relativ zügig wieder auf. Über Stock und Stein geht es plötzlich ziemlich steil bergab. Die Nebelschwaden hüllen uns immer wieder ein, so dass wir von dem Weg nach unten nicht viel sehen können. Es ist kalt und es regnet immer wieder. Der Weg nach unten scheint kein Ende zu nehmen. Jan hat mittlerweile recht starkes Kopfweh und fragt immer wieder nach Pausen. Auch ich spüre nun ein Drücken in den Augenhöhlen. Wir hatten heute definitiv zu wenig Wasser dabei.

09_Kilimandscharo_Lava_Tower_Barranco_Camp (11)Langsam wird es um uns herum wieder grüner. Riesenlobelien und Riesensenezien tauchen zwischen den Felsen auf. Bis zum Camp kann es also nicht mehr all zu lang sein. Doch der Weg zieht sich und wir wollen einfach nur noch ankommen. Nun werden auch wir von ein paar Gruppen überholt. Manchmal ist der Abstieg eben schwerer als der Aufstieg. Durch den Regen und die rutschigen Steine, auf denen wir steil nach unten gehen, ist es schwer sich abzustützen und mit dem Tempo, das die Guides vorgeben, mitzuhalten.

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Gegen 17 Uhr erreichen wir schließlich das Barranco Camp. Wir können heute schon das erste Stück der morgigen Etappe sehen, die Barranco Wall (auch “Breakfast Wall” genannt). Doch so genau wissen wollen wir das im Moment nicht. Völlig fertig schleppen wir uns in die Holzhütte, um uns zu registrieren. Auch heute wartet wieder eine Portion Popcorn auf uns und endlich wieder heißer Tee. Bis zum Abendessen können wir uns etwas ausruhen und unsere Kopfschmerzen mit Paracetamol bekämpfen. Zum Abendessen müssen wir uns heute beide etwas zwingen, doch danach geht es besser. Nach dem Abendessen ziehen wir uns direkt in unser Zelt zurück und versuchen so viel wie möglich zu schlafen. Morgen wartet die Barranco Wall auf uns….

Weiterlesen: Tag 4 – Königsetappe Barranco Wall & Karranga Valley

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